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04.07.2016

Der Unsichtbare, Unverzichtbare


Waschen, schrubben, kletzeln, wischen, kehren, kratzen, schnipseln,...

Ein Einblick in das Leben einer Küchenhilfe. Harte Fakten - Nichts für Softies.


Es ist Juli, 30 Grad Celsius... für dich. Ich stehe in der Küche bei gefühlten 90 Grad. In meinen Schuhen haben sich kleine Seen aus Schweiß gebildet. Dieser tropft auch ständig in meine Augen. Meine Hose klebt an meinen Beinen und meine Finger sind verschrumpelt. Rocky war trocken gegen mich.

Ich bin Küchenhilfe im muto, "dirt buster" möchte ich genannt werden. Die beiden Jungs arbeiten hart, aber ohne mich würden Werner und Michi ins Schwitzen geraten. Ich bin dafür zuständig, dass immer eine frische Pfanne bereit steht, dass die Teller poliert sind und das Besteck glänzt. Werner und Michael sind sich einig, gutes Essen beginnt bei einer guten Grundzutat in einer sauberen Pfanne. Außerdem gilt: So schön das gezauberte Gericht auch angerichtet ist, ist der Teller schmutzig kommt es bestimmt zurück in die Küche. Zum Glück arbeite ich in einer ruhigen Küche, es schreit mich niemand an, dass ich zu langsam bin oder etwas übersehen habe.

Ich komme immer um neun Uhr abends. Das Erste, was ich tue, ist den Stapel an Pfannen zu schrubben. Im Augenwinkel sehe ich aber ebenfalls die Türme an Tellern und Schüsseln. Gefühlte 1000 Grad und alle 90 Sekunden kommt mir ein Schwall heißer Dampf aus dem Geschirrspüler entgegen. Nachdem die Teller blitzeblank sind, mache ich die Arbeit die mir am meisten Spaß macht (ehrlich): Schweinefüße entkoppeln. Stell dir vor du steckst deine Hände in einen Pudding aus Schweinefett und Gelatine aus dem du kleine Knöchelchen finden sollst, genau das mache ich. Danach schäle und spalte ich die Erbsen. Nun geht's ans Zusammenräumen. Das letzte Kaffeegeschirr wird noch gespült und das Besteck gewaschen und poliert. Nach einer kurzen Zigarettenpause (an der frischen Nachtluft) geht es weiter. Lüftungsgitter werden gekehrt und der Fettscheider ausgewischt. Oberflächen werden gereinigt und desinfiziert, der Boden geschrubbt und abgezogen und der Müll wird sorgsam getrennt und fachgerecht entsorgt. Die Toiletten sind im muto nicht meine Aufgabe (die gehören normalerweise zu meiner Jobbeschreibung). Jetzt bekomme ich noch ein verdientes Feierabendbier und tratsche mit den Jungs.

Vielleicht klingt das jetzt ein bisschen negativ, ist es aber eigentlich nicht. Es ist ein Knochenjob, ja, aber ich kann mir dadurch mein Kunststudium finanzieren und die Arbeitszeiten passen perfekt. Ich weiß, dass manche Leute diesen Job nicht machen könnten und das macht mich stolz.

In Liebe euer "dirt buster"

Michael Strohl
;-)

P.S. Kauft meine Kunst!